Samstag, 6. Oktober 2012

Unter das Bett

wandern manche Stücke erstmal, wenn sie fertig sind. Oft hilft mir das,  etwas Distanz zu bekommen, einen anderen Blick auf die Arbeit zu finden und sie ggf. zu verbessern.
In der Kiste unter meinem Bett landen aber auch andere Arbeiten: Mir hilft z.B. die Umsetzung in Bilder, Erlebtes zu verarbeiten und ich  will es anschließend nur "ablegen".

Vor ungefähr 10 Jahren habe ich in unserem Kreisaltenzentrum ein Projekt gemacht, das ich "Menschen-Bilder-Geschichten" genannt habe. Ich bin damals mehrmals wöchentlich ins Altersheim gegangen und habe dort die BewohnerInnen gezeichnet und gemalt, mit ihnen geplaudert und mir ihre Geschichten erzählen lassen. Die Geschäftsführung hat mich dabei sehr nett unterstützt und mir einen Raum zur Verfügung gestellt, wo ich meine Staffelei aufbauen, mein Material lagern und die "Sitzungen" für die großformatigen Porträts durchführen konnte. Alles in Allem war das eine sehr schöne und für alle Seiten - so hoffe ich zumindest-  beglückende Erfahrung, die dann in einem anderen Zusammenhang dazu geführt hat, das ich vor ca. 4 Jahren ein Praktikum in einer Demenzstation gemacht habe. Dort werden verwirrte alte Menschen eingeliefert, die akut in ihrer Einrichtung (oder seltener zuhause) nicht zu "händeln" sind.

Natürlich bin ich keine Fachfrau für Geriatrie oder Gerontologie und will mir keine Urteile anmaßen, aber für jemanden, der alte Menschen mag, war diese Einrichtung schlicht die Hölle und man konnte dort ahnen, dass das Alter nicht der erstrebenswerteste Lebensabschnitt ist.  Fairerweise muss ich aber sagen, dass es auf der Station fast immer gelungen ist, die PatientInnen soweit herzustellen, dass sie in ihrer "Heimateinrichtung" wieder sehr umgänglich und freundlich waren.  Jedenfalls war das mein Eindruck, den ich bei einigen Besuchen, die ich anschließend noch gemacht habe, gewonnen habe.



Fixiert werden (eine freundlichere Umschreibung für "mit Gurten an Bett oder Stuhl gefesselt")  darf natürlich nur augrund eines richterlichen Beschlusses. (Und ich sag jetzt mal nichts dazu, ob das immer so eingehalten wird...) Aber das ändert nichts daran, dass es für die Betroffenen eine unverständliche und unmenschliche Maßnahme ist. Argumentiert wird dann mit der "eigenen Sicherheit" der Patienten, die sich ja verletzen könnten, wenn sie aufstehen und herumlaufen - klar, das kann  auch passieren, aber wer entscheidet was schlimmer ist?



Dieser unrasierte Herr war jedenfalls mit der Fixierung durch einen Bauchgurt nicht einverstanden und hat unermüdlich und laut dagegen protestiert. Damit solche Patienten die Anderen nicht stören, wurden sie gern allein in einen Flur gesetzt. Meiner Meinung nach zu Recht wurde das von den Betroffenen dann als Strafe empfunden.

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