Sonntag, 28. Oktober 2012

Stoffmanipulationen werden Stoffspielereien

Diese Namensänderung und die damit verbundene Absicht, mehr Beteiligungsmöglichkeiten zu geben, erscheint mir sinnvoll (obwohl ich "Stoffmanipulationen" auch ganz schön fand: Das war irgendwie subversiv...)
Ich danke jedenfalls allen Beteiligten für die tolle Idee, die mir immer wieder neue Erkenntnisse und Anregungen verschafft und Suschna, die dieses Mal die Beiträge sammelt, für ihre Mühe.

Mein Beitrag handelt heute von Schiffen, die für mich schon ganz lange ein lohnendes Motiv sind. Da ich ja gelegentlich den Wunsch nach Dreidimensionalität hege, habe ich auch hier mit Stoff und Draht gearbeitet. Eigentlich müsste ich das noch viel öfter machen, denn ich finde, man hat damit sehr schöne Möglichkeiten.


Der Rumpf der Boote besteht immer aus doppellagigem Stoff mit einer Vliselineschicht dazwischen. Ich nehme da die ganz normale, denn die Stabilität entsteht durch den Draht, den ich in den oberen Rand einziehe.
Eigentlich wollte ich eine "Traumschiffflotte", nur aus verschiedenen alten Schlafanzugstoffen machen,  aber leider haben dazu meine Vorräte nicht gereicht. Ich warte jetzt darauf, dass mein Mann endlich mal ein paar seiner sehr dezent gestreiften Oberhemden aussortiert, denn ich finde so verwaschene, gedämpfte Farben für dieses Projekt am schönsten.



Auf diesen Fotos sind vor allem die fortgeschrittenen Modelle zu sehen. Anfangs habe ich nicht mit einem Mittelsteg gearbeitet, sondern die Rumpfoberfläche ebenfalls mit Stoff geschlossen. Aber auch das ist auf jeden Fall noch verbesserungswürdig, denn der Steg biegt sich durch das Gewicht leider immer hoch.
Außerdem nehme ich als Mast jetzt ein Holzstäbchen - da habe ich zuerst auch Draht genommen, was aber sehr fragil war.



Die Segel habe ich ebenfalls aus zwei Stofflagen zusammengenäht und dann Draht eingezogen, mit dem ich sie anschließend auch am Mast befestigt habe. Im Moment tüfftel ich noch an einer Version, die man auch hinstellen kann - theoretisch ist die eigentlich schon fertig, nur mit der praktischen Umsetzung hapert es noch ; )





Montag, 22. Oktober 2012

Geschlüpft

ist kürzlich dieser kleine Vogel aus dem Grundlagenwerk über Betriebswirtschaftslehre vom Büchereiflohmarkt .
Zugegeben, das Buch mal zu lesen wäre bestimmt auch sehr lohnend gewesen - gerade in Zeiten der Finanzkrise wäre es interessant gewesen, was der Autor zur Blütezeit der sozialen Marktwirtschaft für Erkenntnisse hatte. Das scheint aber schon Mitte der 60er Jahre, als das Buch rauskam, niemand so wirklich interessiert zu haben, denn es war praktisch ungelesen, das Buch. Und ich habe es ja auch nur wegen der schönen Diagramme und Kurven, die sich ganz wunderbar zu Aquarellen verarbeiten lassen, mitgenommen.




Donnerstag, 18. Oktober 2012

Patchwork

Beim Blättern in alten Zeitschriften bin ich in einer Burda aus dem letzten Jahr auf eine Idee gestoßen, die Burda aus dem Buch "Natural Patchwork" übernommen hat. Weil ich noch nach einer sinnvollen Anwendung für die Erzeugnisse meines Workshops bei  "Trikots, Trachten, Trockentücher" suche, habe ich die in der Burda beschriebene Methode mal ausprobiert und wie in der Burda verschiedene Topflappen/Untersetzer genäht.




Alles wird offenkantig auf eine feste Unterlage (ich habe eine Kombination aus Vlies und Fleece genommen) genäht und ist dadurch für anders Begabte, Nähanfänger und/oder Leute wie mich, die nicht so ganz ordentlich  arbeiten (können oder wollen) ideal. Außerdem kann man dabei gut kleine und kleinste Stoffreste weiterverwenden und es kostet somit fast nichts.

Aus dem Frankreichurlaub bringe ich mir immer Kladden mit dieser ganz besonderen französischen Lineatur mit, die ich gerne als Notiz- und Skizzenbuch nehme. Da der Einband nicht besonders schön ist, habe ich dafür noch eine Hülle in gedämpften Farben zusammengepatchworkt.






Mittwoch, 17. Oktober 2012

Zum Schluss

wird`s wohl so mit uns werden.


Was bleibt übrig von dem, was uns ausgemacht hat und uns mal wichtig war?  Werden wir damit fertig, dass wir vielleicht irgendwann zu jämmerlichen Figuren im Schlafanzug werden?  Ist das der unabänderliche Lauf der Dinge oder könnte man gegensteuern? Wie, wann, wo?



Wegen des Griffes oben trägt mein Bild den Titel "Ex und hopp" (oder auch "Landrat a.D."). 
Unter dem Griff hab ich einen Text aus einer alten Hedwig-Courths-Mahler-Schmonzette eingearbeitet: "Er war groß und hager. Den Kopf trug er ein wenig vornübergeneigt, sonst hielt er sich aber stramm". 

Der Schattenriss der Figur ist einem - meiner Meinung nach-  klassischen Zeitungsfoto von Ruppert Murdoch nachempfunden.


Witzigerweise hat sich durch das Besticken so etwas wie ein Kopf im Profil ergeben. Das war eigentlich nicht geplant - auf dem oben beschriebenen Zeitungsfoto ist Murdoch von hinten vor einem Fenster stehend zu sehen. 
Das Bild insgesamt soll eine Bühne mit dem sich schließenden Vorhang darstellen.


Untendran hängt der "Orden für besondere Dienste" den ich aus einem Kronkorken der örtlichen Brauerei gebastelt habe.





Freitag, 12. Oktober 2012

Ein Mysterium

sind Menschen mit Demenz wohl in jedem Fall. Nicht nachvollziehbar ist für uns "normal" Denkende ja immer wieder, dass man sich mit ihnen oft stundenlang über ihre Kinder und/oder ihre Ehe unterhalten kann und sie im nächsten Moment nicht mehr wissen, dass es so etwas in ihrem Leben überhaupt gegeben hat. Interessant werden dadurch auf jeden Fall die Gespräche, die sie untereinander führen, wobei ich immer das Gefühl hatte, dass Sympathie oder Antipathie dauerhaft Bestand haben und sie auch irgendwie mitkriegen, ob der/die Gesprächspartnerin klar oder verwirrt ist.


Ich habe jedenfalls dort Geschichten von wirklicher Liebe erlebt,  in denen  Männer(!) sich rührend, aber auch ein bisschen fassungslos um ihre dementen Ehefrauen gekümmert und mit ihnen gelitten haben. Das war wahrhaft herzzerreißend.


Mittwoch, 10. Oktober 2012

Alt und jung

ist nicht in jedem Fall eine gelungene Kombination.


Das war zumindest mein Eindruck, wenn "jung" so ungefähr das Alter von Auszubildenden bedeutet, für die das Alter noch ganz weit weg ist. Und Erfahrungen anderer Leute sind auch nur bedingt interessant, so dass die Chance aneinander vorbei zu reden ganz schön groß ist.


Für die Sprechblasen habe ich aus Büchern und Zeitungen Textschnipsel geschnitten und aufgefilzt, unter Gaze festgenäht oder Waschetiketten aufgenäht.


Sonntag, 7. Oktober 2012

Wo ist meine Handtasche?

Das ist wohl die Frage, die die Patientinnen auf der Demenzstation am meisten bewegt hat.


Das liegt vielleicht daran, dass die Handtasche etwas Vertrautes, ein Stück vom "alten Leben" ist - schließlich trägt  Frau darin alle wirklich wichtigen Dinge bei sich. Andererseits ist die Handtasche aber auch das Symbol dafür,  dass es nun losgeht und man den aktuellen Aufenthaltsort sofort verlassen kann.


So wie die Dame in rot saßen die Patientinnen dann auch mit der Handtasche auf dem Schoß startklar in der Nähe der Tür - was sie aber nicht hinderte, trotzdem nach ihrer Handtasche zu fragen.

Ich habe in meine Handtasche, die aus dem Schürzenkattun meiner Oma ist und nicht wirklich als Handtasche funktioniert, mal alles reingepackt, was nach meiner Vorstellung so drin sein könnte: Geld + Schlüssel natürlich, ein Familienfoto der Besitzerin, das Bild des im Krieg gefallenen Mannes und ein Text aus einem Lehrbuch für Altenpfleger.

 


Ach so,  und das Taschentuch natürlich!

Samstag, 6. Oktober 2012

Unter das Bett

wandern manche Stücke erstmal, wenn sie fertig sind. Oft hilft mir das,  etwas Distanz zu bekommen, einen anderen Blick auf die Arbeit zu finden und sie ggf. zu verbessern.
In der Kiste unter meinem Bett landen aber auch andere Arbeiten: Mir hilft z.B. die Umsetzung in Bilder, Erlebtes zu verarbeiten und ich  will es anschließend nur "ablegen".

Vor ungefähr 10 Jahren habe ich in unserem Kreisaltenzentrum ein Projekt gemacht, das ich "Menschen-Bilder-Geschichten" genannt habe. Ich bin damals mehrmals wöchentlich ins Altersheim gegangen und habe dort die BewohnerInnen gezeichnet und gemalt, mit ihnen geplaudert und mir ihre Geschichten erzählen lassen. Die Geschäftsführung hat mich dabei sehr nett unterstützt und mir einen Raum zur Verfügung gestellt, wo ich meine Staffelei aufbauen, mein Material lagern und die "Sitzungen" für die großformatigen Porträts durchführen konnte. Alles in Allem war das eine sehr schöne und für alle Seiten - so hoffe ich zumindest-  beglückende Erfahrung, die dann in einem anderen Zusammenhang dazu geführt hat, das ich vor ca. 4 Jahren ein Praktikum in einer Demenzstation gemacht habe. Dort werden verwirrte alte Menschen eingeliefert, die akut in ihrer Einrichtung (oder seltener zuhause) nicht zu "händeln" sind.

Natürlich bin ich keine Fachfrau für Geriatrie oder Gerontologie und will mir keine Urteile anmaßen, aber für jemanden, der alte Menschen mag, war diese Einrichtung schlicht die Hölle und man konnte dort ahnen, dass das Alter nicht der erstrebenswerteste Lebensabschnitt ist.  Fairerweise muss ich aber sagen, dass es auf der Station fast immer gelungen ist, die PatientInnen soweit herzustellen, dass sie in ihrer "Heimateinrichtung" wieder sehr umgänglich und freundlich waren.  Jedenfalls war das mein Eindruck, den ich bei einigen Besuchen, die ich anschließend noch gemacht habe, gewonnen habe.



Fixiert werden (eine freundlichere Umschreibung für "mit Gurten an Bett oder Stuhl gefesselt")  darf natürlich nur augrund eines richterlichen Beschlusses. (Und ich sag jetzt mal nichts dazu, ob das immer so eingehalten wird...) Aber das ändert nichts daran, dass es für die Betroffenen eine unverständliche und unmenschliche Maßnahme ist. Argumentiert wird dann mit der "eigenen Sicherheit" der Patienten, die sich ja verletzen könnten, wenn sie aufstehen und herumlaufen - klar, das kann  auch passieren, aber wer entscheidet was schlimmer ist?



Dieser unrasierte Herr war jedenfalls mit der Fixierung durch einen Bauchgurt nicht einverstanden und hat unermüdlich und laut dagegen protestiert. Damit solche Patienten die Anderen nicht stören, wurden sie gern allein in einen Flur gesetzt. Meiner Meinung nach zu Recht wurde das von den Betroffenen dann als Strafe empfunden.