Donnerstag, 29. November 2012

Fertig! Stoffspielereien Teil 2

Nun bin ich auch mit meinen eigentlichen für diesen Monat geplanten Soffspielereien fertig - hätte auch alles gut gepasst, wenn der November ausnahmsweise mal 32 Tage gehabt hätte...

Einen Ausgangspunkt für meine Überlegungen hatte ich im letzten Post schon gezeigt: Die auf den Stoff gefilzten Häkeldeckchen und -Spitzen.
Da mein Projekt aber zur Abwechslung mal nützlich sein sollte, sprich ein Tischläufer werden sollte, kam diese Technik nicht in Frage, weil die Oberfläche zu uneben und wahrscheinlich auch zu empfindlich wäre. Zwar habe ich schon irgendwo im Netz mal Tischläufer aus zusammengefügten  alten Deckchen gesehen, aber das war nicht das, was mir vorschwebte, denn es gab auch noch einen weiteren Ausgangspunkt.

Habe ich schon mal gezeigt, das Dezemberbild aus unserem Kalender. Die Technik des Faltens und Ausschneidens, die ich eigentlich nur von Papier kenne, wollte ich mal in Stoff ausprobieren.


Der erste Versuch war noch nicht so überzeugend.
Mit Hilfe von "Vliesofix", das ich zum ersten Mal benutzt habe (und was soll ich sagen: Man kann sich das Leben geradezu langweilig leicht machen ; -)) klappte das Falten und Auschneiden ganz gut - je dünner der Stoff, desto besser. Mit dem Aufnähen und der Happtik war ich aber nicht so zufrieden, obwohl ich ein Stück eines handgewebten Leinensacks geopfert hatte.

Beim zweiten Versuch habe ich dann auch fast alles anders gemacht. Als Motiv habe ich nun nur Schneeflocken genommen (Eine Anleitung dafür gibt es z. B. hier) und in 3 verschiedenen Größen und aus verschiedenen Stoffen, auch aus einem Spitzengardinenrest, zugeschnitten.
Als Untergrund habe ich einen stärker kontrastierenden Stoff gewählt und außerdem eine Zwischenlage aus einer Fleecedecke eingefügt.


Die Fleecedecke war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, weil jetzt nicht nur die Rückseite (die man aber nicht sieht) ganz hübsch aussieht, sondern auch weil die Stiche auf der Vorderseiten irgendwie plastischer stehen. Ich hab nun auch manchmal zwei Sterne aus Spitze und Stoff übereinandergelegt und mit dem Stickfüßchen im Zick-Zackstich aufgenäht. Das geht gut, wenn man den Transporteur oben lässt.
Am schneeflockigsten wirkt es, wenn man die Flocken in der Mitte auch nochmal absteppt. Vielleicht kann man das auf dem Bild oben, Doppelflocke unten links, sehen. Manche Flocken habe ich auch noch mit einer einfachen Naht umrandet.
Alles in Allem bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Schöner wäre es noch, wenn der Untergrundstoff, ein dunkelgraues Leinen, etwas heller und von derselben Qualität wäre wie das handgewebte Leinen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Den Wohnzimmertest hat der neue Tischläufer jedenfalls schon bestanden und liegt, was ich immer ganz wichtig finde, auch richtig platt.



Sonntag, 25. November 2012

Ups

Da habe ich wohl gerade den Termin für die Novemberstoffspielereien versemmelt. Ich dachte nämlich, ich hätte noch eine Woche Zeit und bin mit meinen Übungen noch nicht fertig.
Ich tu jetzt aber mal so,  als wäre das alles beabsichtigt gewesen und zeige die Arbeit, die gewissermaßen Ausgangspunkt für mein aktuelles Projekt war.



Dieses Gesamtbild zeigt am besten, worum es mir dieses Mal geht: Der  Hintergrund aus eingefilzten Spitzen und gehäkelten Deckchen.


Die weiße Filzwolle sorgt dafür, dass alles an seinem Platz bleibt und sich ein einheitliches Bild mit fließenden Übergängen ergibt. Weil es am Meer immer windig ist, habe ich noch ein paar Strudel mit blauem Stickgarn aufgestickt. Für die Haltbarkeit sind die aber nicht entscheidend.


Auch die Nussschale, mit der die Beiden unterwegs sind,  habe ich erst auf ein Stück selbstgemachten Filz gestickt und dann auf die Atlasseite aufgefilzt.
Jetzt hoffe ich, meine echte Stoffspielerei wird auch noch fertig und ich kann sie im Laufe der Woche zeigen.
Die Arbeiten sammelt dieses Mal Annekata.  Vielen Dank dafür.


Dienstag, 20. November 2012

Nestflüchter


Schon vor einiger Zeit ist dieser kleine Vogel, für den eine Heckenbraunelle Modell gestanden hat, in eine neue Heimat entflogen. Der guten Ordnung halber wollte ich aber nochmal den letzten Stand des Bildes zeigen.

Ein paar andere Vögelchen sind außerdem nun in meinen - Tataa - gerade eröffneten Etsy - shop geflattert. Nach langem Zögern, vielen Überlegungen und etlichen Zweifeln habe ich mich endlich zu diesem Schritt entschlossen. Es ist noch nicht alles perfekt, aber ich arbeite dran und werde den Shop nach und nach auffüllen. Über BesucherInnnen freue ich mich aber natürlich schon jetzt.
Dem Anlass entsprechend möchte ich auch etwas verschenken:


Wer bis zum 30. 11. 2012 hier einen Kommentar hinterlässt, nimmt an der Verlosung dieses kleinen handgemachten Postkartensortiments teil.
Ich freue mich über eure Beiträge und wünsche allen viel Glück!


Freitag, 16. November 2012

Inspirationen II

Wahrscheinlich würden Frifis und ich noch ein Jahr zusammen leben, wenn wir zusammen leben würden und es nach der Bauernregel ginge, nach der man eben ein weiteres Jahr zusammenlebt, wenn man zur gleichen Zeit das Gleiche sagt oder tut. In unserem Fall ist das die Begeisterung für Erich Haeckel und sein Werk "Kunstformen der Natur". 
Passenderweise hat mir mein Mann kürzlich diesen Wunsch sozusagen von den Augen abgelesen und mir das Buch geschenkt und natürlich kam mir ebenso wie Frifis gleich die Idee, die tollen Zeichnungen nachzusticken.


Interessanterweise wurden Haeckels Arbeiten sofort nach dem Erscheinen für gestalterische Zwecke vereinnahmt und Elemente daraus finden sich in Möbeln, Dekoren, Schmuckstücken und sogar Bauwerken. Ich finde es aber auch erstaunlich, dass naturwissenschaftliche Arbeiten so dem Zeitgeist unterworfen sein können, denn aus manchen der arg verschnörkelten Darstellungen springt einen der Jugenstil direkt an.


Ich habe mich erstmal an einem "neutralen" Design versucht: Eine Korallenstruktur als Hintergrund für aquarellierte Pilze.



Wie bei der Vorlage habe ich die Konturen vor dem dunkleren Hintergrund mit weiß ausgefüllt - so kann man das Motiv besser erkennen.





Sonntag, 11. November 2012

Eigentlich

wollte ich mal über das letzte Wochenende und die Aktion "Trikots, Trachten, Trockentücher, " berichten,  aber da muss ich noch ein paar Fotos besorgen - die werden also nachgereicht.
Es war auf jeden Fall aber sehr schön und hat viel Spaß gemacht. Die netten Menschen vom Bruchhof hatten alles wunderbar organisiert, es gab interessante Gespräche und neue Kontakte und zumindest ich habe eine Menge gelernt. Z.B., dass man es schaffen kann, Stoff so zuzuschneiden, dass man nur gerade Stoffreste übrig behält. Darüber habe ich ehrlich gesagt die ganze Woche nachgegrübelt, aber ich glaube,  liebe Katharina, ich brauche da noch Nachhilfe.

Schon mal zeigen kann ich aber die Arbeiten, die ich während der beiden Tage fertiggestellt habe.


Die Fliege habe ich schon vor einer Weile auf eine Buchseite aquarelliert und dann mit schwarzem Garn auf den Stoff genäht. Das kann man hier noch besser erkennen.


Dann wusste ich aber nicht weiter, bis mir die Idee mit dem Kompass kam - vielleicht auch, weil ich schon den Schriftzug "Die ganze Welt" zur Seite gelegt hatte. Kompasse (ist das der richtige Plural? Nach Gefühl würde ich "Kompten" wie "Atlanten" sagen - hört sich aber auch irgendwie komisch an.) finde ich momentan ganz gut, davon gibt es bald noch mehr.
Während des Workshops habe ich den ausgeschnittenen Kompass dann freestyle auf den Stoff appliziert, "Vorsicht" aufgestempelt und die Schrift aufgenäht.


Jetzt bin ich ganz zufrieden damit.

Außerdem habe ich noch aus diesem Blumenaquarell auf Bütten ein neues Bild gemacht. Eigentlich sollte die Buchseite rechts unter das Blumenbild, aber das hatte ich unterwegs vergessen. Wahrscheinlich wäre das harmonischer gewesen, aber jetzt muss es so gehen.


Gut gefällt mir der rechte Vogel, den ich auf einen Rest desselben Mehlsacks gedruckt habe, aus dem auch der Hintergrund ist. Dadurch ergibt sich nun ein räumlicher Effekt.


Büttenpapier näht sich übrigens fast wie Stoff - auch eine neue Erkenntnis mit der sich bestimmt nochmal was anfangen lässt.
Zu guter Letzt habe ich dann noch dieses Bild fertiggestellt. Die braun-grauen Vögel (weiblicher Gimpel) mag ich am liebsten und diesen habe ich auf eine Seite aus einem Technik-Schulbuch gemalt. (Ja, aus der Büchereikiste :-)) Die technischen Zeichnungen finde ich sehr schön, verstehe aber leider nichts davon - wahrscheinlich ist das schon der falsche Ansatz. Mir schwebt aber vor, sowas auch mal zu nähen.


Oben war der alte Mehlsack schon ziemlich hinüber, darum habe ich dort noch die Knopfleiste eines alten Oberhemdes untergenäht. Dieses Hemd hat sich überall ganz wunderbar eingefügt und ich habe es deshalb nun auch fast bis auf den letzten Zipfel weiterverwendet.




Samstag, 10. November 2012

Es ist ein Kleid geworden

Das war zwar auch der Plan, aber da ich auf die Schnelle nur 2 m Stoff gekauft hatte, war ich nicht ganz sicher, ob das klappt.


Als ich den Stoff meiner Tochter zeigte, meinte sie: "Das ist so ein Stoff aus dem ältere Frauen immer  Kleider haben." Als ich das Kleid fertig hatte, meinte sie: "So ein Kleid hast du doch schon."
Hmm...
Ich habe das Kleid dann trotzdem angezogen und siehe da: Es gab ganz unverhofft Komplimente und zwar von Männern und nicht etwa von nähbegeisterten Frauen.  Das hat mich irgendwie an etwas,  erinnert, das ich mal in einem Ratgeber für sparsame Hausfrauen gelesen habe: "Wenn der Stoff von guter Qualität und der Schnitt kleidsam ist, wird  der Mann nicht bemerken, dass das Modell schon aus der letzten Saison ist."

Ich finde sowohl Stoff als auch Schnitt schön. Der Stoff ist ein bedruckter und schwarzbeflockter dunkelblauer Jersey und ein 5,--€/m Schnäppchen vom Stoffmarkt. Der Schnitt ist Onion 2035 mit selbstgebasteltem Oberteil. Ich finde Wickeloberteile ganz kleidsam (s.o.) und habe auch T-Shirts schon so verändert. Das ist ganz einfach, man darf das Vorderteil nur nicht im Stoffbruch zuschneiden sondern muss den Halsauschnitt ab Schulter in einer schrägen oder leicht gebogenen Linie über die vordere Mitte hinaus und bis zur Mitte der Passenansatznaht neu zeichnen. Dann die Schulternähte schließen, die Vorderkante und den rückwärtigen Halsauschnitt zusammen mit einem leicht gedehnten Streifen Rippenstrick o.ä. einfassen und die Vorderteile so übereinanderlegen, dass Mitte auf Mitte trifft. Gut feststecken oder nähen und dann wie gewohnt das Unterteil ansetzen.
Der umhäkelte Kleiderbügel ist übrigens mein schrillster: Schwarz und rosa Polyirgendwas - schön und zweckmäßig. Ich habe ihn (und noch viele andere)  im Altersheim von einer alten Dame geschenkt bekommen, die als Kind noch den Kaiser gesehen hat.

Mittwoch, 7. November 2012

Inspiration


Tier- und Naturdarstellungen sind für TextildesignerInnen ja quasi das Handwerkszeug: Mit schöner Regelmäßigkeit kehren florale Muster und Tiere als Ganzes oder als Fell-oder Federstruktur auf unsere Stoffe und Tapeten zurück und wechseln sich mit den anderen Klassikern -Streifen, Punkte, Karos und geometrische Muster - ab.
Während des Studiums mussten wir darum viele Stunden im Zoo oder im Berggarten verbringen um dort zu aquarellieren und/oder zu zeichnen.  Das hat aber auch sehr viel Spaß gemacht und ich fand  draußen arbeiten immer sehr viel interessanter, als im Museum alte Töpfe oder Kleidung zu zeichnen, wobei die im Gegensatz zu Tieren ja immerhin still gehalten haben.
Eine andere wichtige Inspirationsquelle sind und bleiben aber Bücher und ich möchte hier nach und nach die zeigen, die mir die Liebsten sind.

"Der verzauberte Blick" heißt ein Buch, das ich wunderschön finde und in dem ich besonders oft blättere. Es bietet einen Ausschnitt aus der umfangreichen historischen Sammlung des "Natural History Museums" in London. Dort sind die Funde der englischen Entdeckungsreisen der letzten Jahrhunderte, als noch neue Kontinente und fremde Welten zu erforschen und für die Wissenschaft auszuwerten waren, gesammelt. Und da es noch keine Fotografien oder Filme gab, passierte das mittels gepresster oder getrockneter Exemplare oder durch unglaublich detailreiche, filigrane und sorgfältige Zeichnungen.
Oft ist auch die Komposition der Bilder bemerkenswert und ich habe mir schon viel davon abgeschaut.


Vom einsamen Leben von Mrs. Cook,  Frau des Kapitäns der "Endeavour" erzählt übrigens dieses interessante Buch.





Donnerstag, 1. November 2012

Dirndlkleider

 sind aktuell ja auch jenseits der deutschen Mittelgebirge richtig modern und die Älteren unter uns wissen: Das ist nicht das erste Mal.
Bei Wikipedia kann man sogar nachlesen, dass "in der wirtschaftlich schlechten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg  das Dirndl zum Kassenschlager wurde, da es als schlichtes Sommerkleid eine preiswerte Alternative zu den oft teuren und aufwendig gearbeiteten historischen Frauentrachten war."
Mein Eindruck ist, dass Dirndl durchgängig bis in die 70-er Jahre ein beliebtes Kleidungsstück waren und erst ab den 80-ern galten sie dann als spießig.
Ich fand Mitte der 60-er Jahre Dirndl jedenfalls auch sehr schick und hatte verschiedene Sommerdirndl aus rosa, weißem oder schwarzgeblümten Baumwollstoffen. Ein langarmiges Modell aus grünem Flanell von damals hat sogar überlebt und ist mir nun beim aufräumen wieder in die Hände gefallen. Ich hatte es von meinen Eltern mitgenommen, als mein Sohn im Kindergarten für die praktische Umsetzung der Gleichberechtigung gekämpft hat und wie die Mädchen gelegentlich ein Kleid anziehen wollte.


Ich nehme an, dass das Kleidchen ein Modell von der Stange war,  - ganz sicher bin ich aber nicht, denn es gibt auch ganz viel Handarbeit darin. Aber vielleicht liegt das daran, dass Industriearbeit damals einfach anders organisiert war und z.B. noch nicht in Fernost gefertigt wurde.


Wie das Etikett zeigt, stammt dieses Dirndl aus Berchtesgarden (trug Eva Braun nicht auch gerne sowas, zumindest bei Besuchen auf dem Obersalzberg?) und die Firma Rasp scheint es dort auch immer noch zu geben.  Die Größe 65 sagt mir allerdings gar nichts. 
Ganz besonders hübsch finde ich die Verzierung mit den zweifarbigen Froschgoscherln rund um den Halsausschnitt. Die einzelnen Rüschen sind in der Mitte mit blauem Garn zusammengenäht - originell.  Ich glaube, Frau Machwerk hat kürzlich einmal sehr detailliert gezeigt, wie man das selber machen kann. Und das Oberteil ist mit einem anders gemusterten Stoff gefüttert - auch sehr hübsch.


Bemerkenswert ist auch die "Ausbaureserve" die das Kleid an nahezu allen Nähten hat: Ich hätte dieses Kleid dadurch sicherlich noch die nächsten 5 Jahre  tragen können.



Gottseidank wurden diese Nähte aber nie ausgelassen, sonst hätte ich vielleicht den Rest meines Lebens in einem Dirndl verbringen müssen, denn Eltern finden es ja manchmal süß, wenn ihre Kinder alle dieselben Kleider tragen - ich weiß nicht, wer sich sowas immer ausdenkt, bestimmt jemand der gar keine oder nur kleinere Geschwister hatte.  Ich habe aber 2 große Schwestern und habe darum  öfter jahrelang dieselben Kleider gehabt. 

Auf dem nächsten Foto kann man meine Schwester und mich im Dirndl- Partnerlook sehen. Passend zur Kleidung haben wir bei Verwandten meiner Mutter zur sonntäglichen Radio-Blasmusik ein Tänzchen gewagt. Mir scheint aber, wir konnten uns nicht einigen, wer führt - das ewige Problem beim Tanzen ;-)
Ich sehe aber gerade, dass es damals um den Halsausschnitt noch eine weiße Spitzenrüsche gab. Die ist allerdings im Laufe der letzten 45 Jahre abhanden gekommen.


Ich werde das Kleidchen jedenfalls in Ehren halten - vielleicht möchte mein Enkelkind darin ja einmal tanzen.