Freitag, 22. Februar 2013

Es liegt am Wetter

Bei uns schneit es nämlich schon wieder oder immer noch - so genau weiß ich das schon gar nicht mehr.  Es liegt jedenfalls Schnee und darum habe ich gestern einen Eisbären gemalt, als ich mal wieder versucht habe, 14-jährigen Mädchen die Aquarellmalerei nahe zu bringen. Allerdings komme ich mit dem Nahebringen nicht so recht vom Fleck und ich weiß nicht wirklich, woran es liegt. Am liebsten malen sie rosafarbene Herzen in allen Größen und wenn sie ganz mutig sind, vielleicht nochmal eine Mangafigur. Die Mädels haben unglaubliche Angst, etwas falsch zu machen, alles muss sofort perfekt sein und sie trauen sich überhaupt nicht, es einfach mal laufen zu lassen (unabdingbare Vorraussetzung fürs aquarellieren.)
Natürlich kann das Problem bei mir liegen und natürlich kenne ich solche Ängste auch. Zu Studentenzeiten war das ganze Künstlermaterial ja noch unglaublich teuer und ich hatte unglaublich wenig Geld, aber daran kann es heute ja wohl nicht mehr liegen: Man bekommt bespannte Keilrahmen etc, quasi nachgeschmissen und die Kiddis machen nun auch nicht gerade den Eindruck, als würden sie am Hungertuch nagen.
Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ringsherum einfach alles perfekt ist? Die Vorbilder sind gestylt, alle Bilder photogeshopt, die Zähne korrigiert und Kaputtes, Schiefes und Unfertiges wird weggeschmissen. Ich weiß es nicht, aber sie  tun mir leid, die Kids, denn ich habe das Gefühl, wir haben ihnen etwas genommen, als wir ihnen alles so schön vorgesetzt haben und sie keine Notwendigkeit mehr hatten, irgendwie zu improvisieren und mit Kompromissen zu leben und sich dadurch selbst zu entdecken und zu vertrauen.

OK., hier ist es also winterlich und das schlägt sich offensichtlich auf meine Stimmung nieder  und auf  meine Arbeiten: Auch bei den Stoffspielereien, die dieses Wochenende von Frifis gesammelt werden, bleibe ich kühl.

Kommentare:

  1. Das kann ich gut verstehen,diese Kurssituation. in einem bestimmten Alter nimmt das sicher zu, aber ich bekomme schon Wut, wenn ich so vorgefertgte bateleien im kindergarten und Hort sehe, bei denen die Kinder null Kreativität entwickeln dürfen und nur noch hübsch zusammenkleben und alles sieht aus wie geleckt. Die Schönheit und den Reiz des Unvollkommenen zerstört diese Gesellschaft regelrecht!!
    Nicht aufgeben, gegensteuern.
    Bin gespannt auf deine kühle Stoffspielerei.
    VG karen

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  2. Schöner Eisbär mit Buchstabenmimikri.
    Solche Misserfolge mit mittelgroßen Mädchen habe ich hier auch immer wieder. Selbst meine Tochter, die als ganz Kleine Bilder wie von Nolde geschaffen hat, prökelt jetzt an Mangafiguren und Peacezeichen herum. Sie geht allerdings auch noch in einen Malkurs, und da wird das Material dann beschränkt: Nasses Aquarellpapier, großer Pinsel, wenig Farben. Da muss man es dann schon laufen lassen.

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  3. Vor ein paar Jahren hab ich auch Malkurse für Kinder gegeben, das war unglaublich anstrengend. Die Jüngsten waren noch im Grundschulalter und waren auch recht unbefangen, aber so ab 10 Jahren sind sie richtig ergebnissorientiert und schielen ständig drauf, was der Nachbar so macht. Und wenn dann ein Zeichencrack dabei ist verlieren die Zögerlichen die Motivation.
    Mein Lieblingsthema war eine Einheit, in der sich die Kinder auf einem großen Blatt Papier umrandet haben und dann nur mit dicken Klecksen Grundfarbe im Großformat loslegen durften. Was für eine Sauerei. Aber allein die Größe des Formats war so anders, dass sie mit Hilfe der Umrandung einfach irgendwo loslegen mussten.
    (Und misch mal ´nen Hautton ohne weiße Farbe- da kommt man automatisch ins expressionistsche Aquarell....)

    Und: Dein Eisbär ist super!!

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